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"In die Rolle der Galeristin bin ich
einfach so hineingewachsen"

"Am Anfang" erzählt Gloria Hasse "war es vor allem eine Frage: Welche Art Keramik gefällt mir?
Wen kann ich gut vertreten?"
Am Anfang, das war zu Beginn der 90er Jahre, 
als Hasse zum ersten Mal darüber nachdachte,
eine Galerie zu eröffnen. Die Liebe zur Keramik
war freilich schon älter.
Töpfern lernte die Galeristin in Frankreich,
zurück in Deutschland organisierte sie mit Freundinnen Kunsthandwerkermärkte, dann die eigene Galerie, die jetzt zehn Jahre alt wird.
Auch ein Grund, zurückzuschauen.
"Mein Programm umfasst von Anfang an Arbeiten europäischer Keramikerinnen und Keramiker,
die sehr unterschiedlich waren - von archaischer Strenge bis hin zum Spielerischen.
Gefäße, Objekte und Skulpturen, die ein wesentlicher Bestandteil der zeitgenössischen Keramik sind",
sagt Gloria Hasse - und führt durch die beiden kleinen
Ausstellungsräume im Wohnhaus der Familie
in Darmstadt-Arheilgen.
Moderne Grafik, schönes altes Fachwerk,
ein herrlicher großer Garten, viele Bücher,
dazu ein belebender Milchkaffee - gerne glaubt man Gloria Hasse, dass die Künstler der Galerie herzlich in die Familie aufgenommen werden.
"Es war vor allem die Liebe zu den Arbeiten -
und die Sympathie für die Künstler. 
In die Rolle der Galeristin
bin ich so hineingewachsen."
Von Anfang an waren es häufig
Keramikerinnen aus Ostdeutschland, die Gloria Hasse
in Einzelausstellungen zeigte, Künstler, die zwischen dem traditionellen Gefäß und der freien Installation all das ausstellten, was Gloria Hasse in ihr
Programm einfügen wollte.
Natürlich ist die Diskussion um die Positionierung
der Galerie - zwischen Kunst und Handwerk - auch für Hasse ein Thema. Aber keines, mit dem sie sich allzu lange aufhalten möchte:
"Für mich ist das eine typisch deutsche Diskussion.
In Frankreich zum Beispiel gibt es diese Trennung
viel weniger. Die Grenzen sind fließend - und das macht die Keramik für mich so spannend."
In Zeiten, wo der Kunstmarkt arg gebeutelt wird,
ist die Frage nach den Verkäufen von
besonderem Interesse. "Es wird gekauft, vor allem von Sammlerinnen und Liebhabern aus der Umgebung", antwortet die Galeristin.
"Doch es bleibt schwierig, größere Arbeiten
zu vermitteln." Und die Preisgestaltung?
"Ich rede meinen Künstlerinnen und Künstlern nicht rein - und meistens finde ich die Preisvorstellungen auch akzeptabel."
Zum 10-jährigen Jubiläum zeigt Gloria Hasse
vom 31. August bis zum 22. September eine für die Geschichte der Galerie besonders wichtige Schau: Keramiken von der Burg Giebichenstein, 
Hochschule für Kunst und Design in Halle.
Studentinnen und Absolventen der Burg sind dann zu Gast im Keramikum. Sie kommen von einem Ort wo die alte Frage "Kunst oder Handwerk?" 
immer wieder aufs Schönste beantwortet wird:
Natürlich beides! 
So entsteht eine neue Kunst, die auf dem alten Erfahrungsschatz des Handwerks aufbaut.
Thomas Löber-Buchmann, Anja Sommer, Renée Reichenbach aus Halle und Petra Bittl aus Höhr-Grenzhausen zeigen
in diesem Sommer in Darmstadt neue Arbeiten, Gefäße und freie Plastik.
Vielen dürfte dabei das OEuvre von
Renée Reichenbach und Antje Scharfe bekannt sein, letztere Professorin und Leiterin der Keramiklasse
an der Burg Giebichenstein, einer Schule mit langer Tradition: Schon in den 20er Jahren galt die ehemalige Kunstgewerbeschule als arriviertes Lehrinstitut der angewandten Künste. Die Arbeiten von Reichenbach und Scharfe zeigt die Darmstädter Galeristin gemeinsam mit den Stücken jüngerer Kolleginnen.
Zur Finissage am 21. und 22. September hat
Gloria Hasse den Keramiker Alan Sydney- Heaps aus Wales eingeladen, den sie schon 1993 zeigte.
Dieser wird, so Hasse, "an diesem Wochenende zeigen, wie er kleinere Objekte aufbaut".
"Alle Absolventen der Klasse von Antje Scharfe sitzen in den ersten Semestern an der Töpferscheibe",
erzählt Gloria Hasse. Doch was danach entsteht, ist oft von großer Freiheit. Wie etwa die archaischen Figuren von Thomas Löber-Buchmann. Oder die "Schlaginstrumente" der jetzt in Höhr-Grenzhausen ansässigen Petra Bittl, die dabei verschiedene Modelle entwarf "für die Dame und den Herren", bitterböse Wandobjekte,tauglich für den ewigen Geschlechterkampf.
Im November schließlich heißt es in der Galerie Keramikum dann "Französisch-deutsche Verständigung" mit keramischen Arbeiten von Brigitte Pénicaud
und Johannes Peters.

The role of gallery-owner is something I simply grew into,'Gloria Hasse's 'Galerie Keramikum'in Darmstadt celebrates its 1Oth birthday.
A love of ceramics and a liking for artists were the twin motivation which caused Gloria Hasse to open a gallery ten years ago.Two small exhibition rooms in a family's private residence house the work of mainly young potters and sculptors. 
Gloria Hasse is particularly keen to provide a forum for up-and-coming young talent, with the geographical
emphasis falling on eastern Germany and France. 
Art or craft? Both, of course! She answers
the question regarding her gallery's profile with response reflecting the ethos of Burg Giebichenstein, whos students past and present continuously provide a source for exhibits. From vessels to installations, the range embraced by Galerie Keramikum in
Darmstadt-Arheiligen is wide. 
Hasse remarks: "The boundaries are fluid - that's what I find so interesting about ceramics,"
-the fact that the bigger or more expensive the work is, the more difficult it is to sell.